Drei Länder rechnen im Alltag nicht metrisch: die USA, Liberia und Myanmar. Großbritannien ist offiziell metrisch, hält aber an Meilen, Pints und Stone fest. Für alle anderen bedeutet das: Beim Reisen, Einkaufen, Kochen und beim Übernehmen von Bauanleitungen oder Rezepten muss umgerechnet werden – und dabei gibt es mehr Fallen als der bloße Zahlenfaktor vermuten lässt.
Längen: eine geschlossene Kette
Alle Längenmaße hängen über feste Faktoren zusammen. Seit dem internationalen Yard-und-Pfund-Abkommen von 1959 sind sie exakt definiert, weltweit einheitlich und damit verlustfrei umrechenbar:
1 Zoll (inch) = 2,54 cm · 1 Fuß (foot) = 12 Zoll = 30,48 cm · 1 Yard = 3 Fuß = 91,44 cm · 1 Meile = 1.760 Yards = 1,609 km.
Auffällig sind die krummen Zwischenzahlen. Sie stammen aus der mittelalterlichen Landwirtschaft: Ein Furlong mit 220 Yards war die Länge einer Ackerfurche, die ein Ochsengespann ohne Pause pflügen konnte, und acht Furlongs machten eine Meile. Das metrische System löste solche Bezüge zugunsten reiner Zehnerpotenzen ab – der eigentliche Vorteil ist nicht die Größe der Einheiten, sondern dass jede Umrechnung nur ein Komma verschiebt.
Für den Kopf: Zoll mal 2,5 liegt anderthalb Prozent zu niedrig und reicht fast immer. Fuß mal 30 ebenso. Bei Yard rechnet man Meter minus zehn Prozent, bei Meilen mal 1,6. Praktisch ist die Nähe zur Fibonacci-Folge: 5 Meilen sind rund 8 Kilometer, 8 Meilen rund 13, 13 Meilen rund 21. Werkzeuge: Zoll, Fuß, Yard, Meilen.
Die Falle bei Flächen und Volumen
Hier passiert der teuerste Fehler. Weil der Längenfaktor bei Flächen quadriert und bei Volumen in die dritte Potenz eingeht, sind die Werte völlig andere als erwartet. Ein Quadratfuß misst 0,0929 Quadratmeter, ein Quadratyard 0,8361. Und ein Kubikyard ist nicht knapp ein Kubikmeter, sondern nur 0,7646.
Wer aus einer amerikanischen Quelle „10 cubic yards" Erdaushub, Beton oder Rindenmulch übernimmt und mit zehn Kubikmetern rechnet, liegt um fast ein Viertel daneben. Dasselbe gilt für Containergrößen und Muldenangaben. Die Regel dahinter ist einfach: Der Längenfaktor wird quadriert beziehungsweise hoch drei genommen, nicht übernommen.
Gewichte: drei Pfund, drei Tonnen, drei Unzen
Beim Pfund ist die Lage angenehm: 1 lb = 0,45359237 kg, und dieser Wert gilt in allen englischsprachigen Ländern. Unangenehm ist nur das deutsche Handelspfund mit glatten 500 Gramm – gut zehn Prozent mehr. Wer ein amerikanisches Rezept mit „1 lb ground beef" mit einem deutschen Pfund umsetzt, nimmt 46 Gramm zu viel. Beim Metzger ist das gleichgültig, beim Backen kann es den Teig verändern.
Bei der Unze gibt es drei Varianten, und die Unterschiede sind erheblich. Die Avoirdupois-Unze für Lebensmittel wiegt 28,35 Gramm. Die Feinunze für Edelmetalle wiegt 31,10 Gramm und ist damit rund zehn Prozent schwerer – eine Unze Gold ist also nicht dieselbe Menge wie eine Unze Mehl. Die Flüssigunze schließlich ist überhaupt kein Gewicht, sondern ein Volumen mit 29,57 Millilitern in den USA und 28,41 in Großbritannien. In Rezepten stehen „8 oz butter" und „8 fl oz milk" nebeneinander und bedeuten völlig Verschiedenes: 227 Gramm einerseits, 237 Milliliter andererseits.
Bei der Tonne wiederholt sich das Muster. Die US short ton entspricht 2.000 Pfund und damit 907 Kilogramm, die britische long ton 2.240 Pfund oder 1.016 Kilogramm, die metrische Tonne glatt 1.000. Wer „10 tons" Tragfähigkeit als 10.000 Kilogramm liest, überschätzt sie um fast eine ganze Tonne. Werkzeuge: Pfund, Unzen, Tonnen.
Volumen: die Gallone ist zweigeteilt
Anders als beim Pfund gibt es hier keine gemeinsame Definition. Die US-Gallone fasst 3,785 Liter, die britische Imperial Gallon 4,546 – ein Unterschied von 17 Prozent. Die Ursache ist historisch: Die USA behielten die englische Weingallone von 1707, Großbritannien reformierte sein Maßsystem 1824 und definierte die Gallone über das Volumen von zehn Pfund Wasser neu.
Der Effekt zieht sich durch alle abgeleiteten Maße. Ein US-Pint fasst 473 Milliliter, ein britisches 568 – wer im Pub ein Pint bestellt, bekommt spürbar mehr als in einer amerikanischen Bar. Beim Kraftstoffverbrauch wird es rechnerisch relevant: 30 mpg entsprechen bei US-Gallonen 7,84 Litern auf 100 Kilometer, bei britischen nur 9,42. Wer beides verwechselt, hält ein sparsames Auto für einen Schluckspecht. Die Umrechnungsformel lautet 235,215 geteilt durch den mpg-Wert für US-Gallonen und 282,481 für britische. Werkzeug: Gallone in Liter.
Temperatur und Druck
Bei Fahrenheit hilft kein einfacher Faktor, weil beide Skalen verschiedene Nullpunkte und Schrittweiten haben: °C = (°F − 32) × 5/9. Für Wettertemperaturen genügt „Fahrenheit minus 30, dann halbieren" – aus 70 °F werden so rund 20 °C, exakt 21,1. Merkwerte: 0 °C sind 32 °F, 20 °C sind 68 °F, 37 °C Körpertemperatur sind 98,6 °F. Beim Backen ist Präzision wichtiger: 350 °F sind 177 °C, in der Praxis also 175 oder 180 Grad. Werkzeug: Fahrenheit in Celsius.
Beim Reifendruck begegnet PSI: 1 bar entspricht 14,504 psi. Die typischen amerikanischen Werte 32, 35 und 36 psi sind 2,2, 2,4 und 2,5 bar. Faustformel: Bar mal 15, dann drei Prozent abziehen. Werkzeug: Bar in PSI.
Was man beim Reisen wirklich braucht
In der Praxis reichen fünf Merkwerte: Eine Meile ist gut anderthalb Kilometer, ein Fuß knapp ein Drittel Meter, ein Pfund ein knappes halbes Kilo, eine Gallone knapp vier Liter, und 70 Fahrenheit sind angenehme 21 Grad. Alles Weitere lässt sich nachschlagen – wichtig ist nur, die drei Fallen zu kennen: Volumen wächst hoch drei, die Gallone existiert in zwei Größen, und „oz" kann Masse oder Volumen bedeuten.
Weitere Werkzeuge: mph in km/h, Schuhgrößen, Bildschirmdiagonalen und Knoten.