Drei Zahlen bestimmen die laufenden Kosten eines Autos stärker als jede Kaufentscheidung: Reifendruck, tatsächlicher Verbrauch und die Leistungsangabe, an der Steuer und Versicherung hängen. Alle drei werden regelmäßig falsch gelesen.
Reifendruck: der billigste Spareffekt
Zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand, den Verbrauch und den Verschleiß gleichzeitig. Als Richtwert kostet ein halbes Bar zu wenig rund zwei Prozent Mehrverbrauch und verkürzt die Reifenlebensdauer erheblich, weil die Flanken stärker walken und die Schulterbereiche schneller abfahren. Bei stark unterschrittenem Druck steigt zudem die Gefahr eines Reifenplatzers durch Überhitzung.
Der Sollwert steht nicht auf dem Reifen. Auf der Flanke ist nur der zulässige Höchstdruck angegeben, der deutlich über dem Betriebsdruck liegt. Maßgeblich ist der Aufkleber am Türholm der Fahrerseite, im Tankdeckel oder die Tabelle im Handbuch – dort meist getrennt nach Beladung: teilbesetzt und voll beladen unterscheiden sich um 0,3 bis 0,5 bar.
Gemessen wird am kalten Reifen, vor der Fahrt oder nach höchstens zwei Kilometern langsamer Fahrt. Warmgefahrene Reifen zeigen 0,2 bis 0,4 bar mehr an; wer dann auf den Sollwert ablässt, fährt anschließend mit Unterdruck.
Warum die Kontrollleuchte im Herbst angeht
Luft zieht sich bei Kälte zusammen. Als Faustregel ändert sich der Reifendruck um etwa 0,1 bar je zehn Grad Temperaturunterschied. Ein im Sommer bei 25 Grad korrekt auf 2,5 bar eingestellter Reifen hat bei null Grad nur noch rund 2,25 bar – und beim ersten Kälteeinbruch melden sich reihenweise die Kontrollsysteme, ohne dass ein Defekt vorliegt.
Deshalb lohnt eine Kontrolle bei jedem Jahreszeitenwechsel, mindestens aber alle zwei Monate. Auch intakte Reifen verlieren durch Diffusion langsam Luft, typischerweise 0,1 bar im Monat.
Bei amerikanischen Luftdruckprüfern und an Tankstellen im englischsprachigen Raum steht PSI statt Bar. Die typischen Werte 32, 35 und 36 psi entsprechen 2,2, 2,4 und 2,5 bar. Faustformel: Bar mal 15, dann drei Prozent abziehen. Werkzeug: Bar in PSI umrechnen.
Der echte Verbrauch – und warum der Bordcomputer täuscht
Verbrauchsanzeigen im Fahrzeug rechnen aus den Einspritzmengen hoch und liegen systematisch fünf bis zehn Prozent unter dem realen Wert. Der Effekt ist bekannt und in Vergleichstests wiederholt bestätigt; er ist keine Manipulation, sondern eine Folge der indirekten Messung.
Verlässlich ist nur die Rechnung an der Zapfsäule: getankte Liter geteilt durch gefahrene Kilometer, mal 100. Damit das funktioniert, muss zweimal randvoll betankt werden, idealerweise am selben Automaten, weil die Abschaltautomatik unterschiedlich früh auslöst. Über drei bis vier Tankfüllungen gemittelt ergibt das einen belastbaren Wert. Werkzeug: Spritkosten-Rechner.
Für Angaben aus dem englischsprachigen Raum gilt eine eigene Umrechnung, weil dort in Meilen pro Gallone gerechnet wird – und ein höherer Wert bedeutet einen sparsameren Wagen. Die Formel lautet 235,215 geteilt durch den mpg-Wert für US-Gallonen: 30 mpg sind 7,84 Liter auf 100 Kilometer. Für britische Gallonen gilt 282,481, also 9,42 Liter. Wer beides verwechselt, liegt um 20 Prozent daneben. Werkzeug: Gallone in Liter.
Was im Fahrzeugschein steht
Die Leistung findet sich unter Feld P.2 und ist ausschließlich in Kilowatt angegeben. Seit 1978 ist das Kilowatt in Deutschland die gesetzliche Einheit; die Pferdestärke darf nur noch ergänzend genannt werden. Umgerechnet gilt 1 kW = 1,35962 PS, für den Kopf genügt „kW plus ein Drittel". Werkzeug: kW in PS.
Bei Elektrofahrzeugen lohnt der genaue Blick, weil dieselbe Angabe Verschiedenes bedeuten kann. Die Spitzenleistung steht nur Sekunden bis wenige Minuten zur Verfügung, bevor Akku und Kühlung begrenzen. Die Dauernennleistung nach UN-Regelung 85 ist der Wert, den der Antrieb dreißig Minuten halten kann – und liegt oft nur bei der Hälfte. In den Papieren steht meist die Dauerleistung, in der Werbung die Spitzenleistung.
Für die Kfz-Steuer ist die Leistung bei Pkw übrigens irrelevant. Dort zählen Hubraum und CO₂-Ausstoß, bei Motorrädern allein der Hubraum. Relevant wird die Leistungsgrenze dagegen beim Führerschein: Die Klasse A2 ist auf 35 kW begrenzt, also 47,6 PS. Werkzeug: Kfz-Steuer-Rechner.
Reifengröße lesen
Die Bezeichnung 205/55 R16 91V enthält fünf Angaben. 205 ist die Reifenbreite in Millimetern. 55 ist das Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent – die Flankenhöhe beträgt hier also 55 Prozent von 205 Millimetern, das sind 113. R steht für Radialbauweise. 16 ist der Felgendurchmesser in Zoll, also 40,64 Zentimeter. 91 ist der Tragfähigkeitsindex, V der Geschwindigkeitsindex für bis zu 240 km/h.
Bemerkenswert ist die Mischung: Breite metrisch, Felge zöllig. Wer eine andere Größe montieren will, muss den Abrollumfang im Blick behalten – weicht er zu stark ab, zeigt der Tachometer falsch und die Eintragung fehlt. Werkzeug: Zoll in Zentimeter.
Was der Verbrauch tatsächlich kostet
Ein Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer summiert sich schneller, als es wirkt. Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung sind das 150 Liter, bei einem Preis von 1,80 Euro also 270 Euro im Jahr. Über eine Haltedauer von acht Jahren mehr als 2.100 Euro – für eine Differenz, die sich mit korrektem Reifendruck, entferntem Dachträger und ruhigerem Fahrstil teilweise ohne jede Investition schließen lässt.
Ein Dachgepäckträger allein kostet je nach Form und Geschwindigkeit zwischen 0,5 und 1,5 Liter auf 100 Kilometer, eine Dachbox mehr. Weil der Luftwiderstand quadratisch mit der Geschwindigkeit wächst, fällt der Effekt auf der Autobahn deutlich stärker aus als in der Stadt – wer die Box nach dem Urlaub abnimmt, spart also messbar. Auch die Klimaanlage kostet real 0,3 bis 1 Liter, im Stadtverkehr anteilig mehr als auf der Landstraße.
Der Weg zur Arbeit in der Steuererklärung
Für Pendler ist die Entfernungspauschale die zweite relevante Rechnung. Angesetzt wird die einfache Strecke in vollen Kilometern, unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel. Maßgeblich ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung; eine längere Route wird nur anerkannt, wenn sie offensichtlich verkehrsgünstiger ist und regelmäßig genutzt wird. Werkzeug: Pendlerpauschale-Rechner.
Was bei einem Verstoß wirklich zählt
Bei Geschwindigkeitsmessungen wird nicht der gemessene Wert vorgeworfen, sondern der um die Toleranz verminderte. Bei geeichten Geräten sind das bis 100 km/h drei km/h, darüber drei Prozent; bei einer Nachfahrt ohne geeichtes Messgerät 20 Prozent. Wer mit 78 km/h gemessen wurde, dem werden 75 vorgeworfen.
Die Stufen des Bußgeldkatalogs greifen dann hart: 25 km/h zu viel innerorts kosten 115 Euro und einen Punkt, 26 bereits 180 Euro. Ab 31 km/h innerorts und 41 km/h außerorts kommt ein Regelfahrverbot hinzu. Werkzeug: Bußgeldrechner.